6.11.08: Goethes Faust im Radu stanca Theater

faust.png   Am 6.11.08 wurde im Radu Stanca Goethes Faust, der 1. Teil von einer jungen deutschen Theatertruppe aufgeführt. Ich kann mich erinnern, wie ich mich im Gymnasium mit dem Text abgekämpft habe, hoffnungslos. An diesem Abend hab ich dann die Leiden des armen Faust erkannt und wie er auf Teufels Karre kam. Ich danke der Truppe und werde mir das Stück demnächst zum Vergleich auch von einer rumänischen Truppe inszeniert anschauen. Ich bin gespannt auf die Unterschiede. Anbei noch ein paar offizielle Kritiken, meine ist eindeutig: minimale Requisiten, Fassung optimal gekürzt (ein paar Monologe und Geisterstimmen der Originalfassung sind fürs Theater doch etwas zu langatmig), hervorragender Bezug zur heutigen Zeit, sehr eindrückliche schauspielerische Leistungen von allen Darstellern: Note 6 von 6, Bravo!

Auszug aus der Rezension im Kölner Stadtanzeiger – anlässlich der Premiere in Köln

Bonner Theaterwandel gibt Goethes „Faust“ in Köln.
Von ihm ließe sich jeder die Seele nehmen.
„theaterwandel“ bringt eine sehr reflektierte und fesselnde Adaptation auf die Bühne.
Die Regie von Raphael T. Musiol kommt nahezu ohne Requisiten aus.
Die Schauspieler allein lassen eine Welt entstehen.
Unter ihnen ist hier besonders Alexander Stirnberg hervorzuheben.
Von diesem souveränen, verführerischen Mephistopheles würde sich wohl jeder Mensch die Seele abnehmen lassen.
Von viel Musik unterstützt, taucht das Ensemble Goethes schillernd dahin orakelnde Verse und die Liebesgeschichte zwischen Faust (Marc Brinkmann) und Margarete (Pia de Buhr) in ein melodramatisches Licht.
Als sähe man Nahaufnahmen von Gesichtern im Kino, saugen die Spieler das Publikum in ihre Nähe.
Der Pegel des Gefühlspanoramas schlägt weit aus.
Das Premierenpublikum – jedes Alters anwesend – zeigte sich von dieser Interpretation überzeugt und innerlich bewegt.
Arkadas Theater, Platenstraße 32 in 50825 Köln – Ehrenfeld. Weitere Termine unter www.theaterwandel.de

- Rezension in der Hessen Rundschau vom 02.03.2008 -

Was Menschen treibt und quält
Das Ensemble Theaterwandel inszeniert Goethes “Faust I”
Von Steve Kuberczyk-Stein

Kassel. Die Bühne liegt im Dunkeln. Nur auf den Körper einer in Weiß gekleideten jungen Frau fällt etwas Licht. Auf den Knien betet Gretchen im Kerker. Zwei Lichtschienen gleiten von ihrem Rücken über den Bühnenboden zu der Leinwand im Hintergrund und schattieren die gepeinigte Kreatur kurz vor ihrem Tod. So eindrucksvoll wie das Ende der Inszenierung “Faust I -verbinde dich!”-, die am Freitag im Kulturzentrum Kassel die Besucher berührte, war das ganze Stück.

Gibt es einen Weg, der uns vorbestimmt ist? Zieht Gott die Fäden, oder ist es die Natur des Menschen, die ihn treibt und quält, Erfüllung zu finden. Welche Wege führen zum Ziel und welche in die Katastrophe?

Aktualität des Faust

Das Ensemble “Theaterwandel”, ist ein Schauspielprojekt, in dem sich Künstler verschiedener deutscher Ensembles zusammenfinden, vermochte vielseitige Einblicke in das Faust-Thema zu geben. Die Aktualität dieser Tragödie eines Mannes, der auf dem Höhepunkt seines Erfolges als Mediziner, Philosoph und Theologe verzweifelt die Leere seiner Existenz empfindet, der die Fähigkeit, Liebe zu geben und zu empfangen, verloren hat und einen Pakt mit dem Teufel eingeht, ist ungebrochen. Die Inszenierung vermochte das auf eindringliche Weise darzustellen.

Großartig, mit wie wenig Mitteln das gelang. Drei Kastenelemente dienten als Möbel, Licht und Schatten sorgten für eindringliche und suggestive Atmosphäre. So bohrten sich Sprache und Bilder ins Bewusstsein der Besucher.

Außergewöhnlich gut waren die Schauspieler, allen voran Alexander Stirnberg als animalischer, verführender, schleimender, menschenverachtender Spötter Mephisto und Armin Riahi als gequälter, rastloser und tragischer Faust. Langer und lautstarker Applaus.

Teuflisch gut auf Goethes Spuren

Ensemble Theaterwandel zeigt Faust I in Siegburg

Diese “Faust”-Inszenierung ist ebenso einfach wie beeindruckend. 140 Minuten Goethe pur liefert das Ensemble “Theaterwandel” in einem einzigen Feuerwerk. Regisseur Raphael T. Musiol nähert sich dem viel gespielten Stoff mit Respekt und versetzt das Stück auf eine zeitlos-aktuelle Ebene.

Sorgfältig ausgewählt ist das durchweg junge Ensemble: Faust heißt die Tragödie, aber der eigentliche Star ist hier der stets präsente Teufel. Das hat Musiol klar erkannt und ebenso klar umgesetzt. Sein Mephistopheles, Alexander Stirnberg ist einfach teuflisch gut. So gnadenlos gemein und intrigant, so bar jeden Mitleids mit seinen Opfern, dass es den Zuschauer friert und zugleich von einer tollkühnen Frivolität. Goethe hätte seinen Spaß gehabt.

Auch an Marc Brinkmann, der als Faust seinem teuflischen Verführer an Spielkunst um nichts nachsteht. Jede Facette dieser schwierigen, vielschichtigen Figur wirkte überzeugend. Eine besondere Augen- und Ohrenweide war die ungebremste Spielfreude von Dörte Becher als leidenschaftlich-lüsterne Frau Marthe und der Schüler, herrlich naiv gespielt von Michael Lourenco.

Was dann in der Kerkerszene über das Publikum hereinbrach, war ein hervorragend gespieltes Wechselbad der Emotionen, überwältigend mit Pia de Buhr, als Margarete.

Das Publikum belohnte die reifen Leistungen mit begeistertem Applaus.

Rhein Sieg Anzeiger, Mittwoch 31. Januar 2007.

“Die Konzentration ist immer wieder zurückgekehrt”

Theaterpädagogisches Projekt mit Goethes “Faust” an der Bertholt-Brecht Schule

Tannenbusch. Kultur als Kernkompetenz: Dieser Gedanke steht hinter dem Schauspielprojekt Theaterwandel, das jetzt zu Besuch in der Bertolt-Brecht Schule war. Mit der Vorstellung von “Faust I – der Tragödie erster Teil” und der anschließenden Diskussion endete die theaterpädagogische Arbeit des Ensembles mit Kursen der Oberstufe. In einem Workshop mit Theaterpädagogen und im Deutsch-Unterricht hatten sich Schüler der Gesamtschule mit Goethes Werk auseinandergesetzt.

…Der Initiator und Dramaturg Raphael T. Musiol wertete die Vorstellung als Erfolg: “Auch bei diesem anspruchsvollen Stoff ist die Konzentration immer wieder zurückgekehrt”. Die theaterpädagogische Initiative, die sich aus Künstlern mehrerer deutscher Ensembles zusammensetzt, hat sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen über das Theatergespräch aufzufordern, sich mit eigenen Lebensentwürfen auseinanderzusetzen. Einzelne Szenen wurden in der Vorbereitung besprochen und nachgespielt. Eine Evaluation im Rahmen eines Forschungsprojektes soll nun im Nachfeld klären, wie sich Goethes reichhaltiger Stoff jungen Menschen erschließt.

Das Theaterensemble, das das Projekt “Faust I – Klassiker für junge Menschen” sämtlichen Schulen in der Region anbietet und allein 20 Aufführungen im ersten Quartal 2007 gibt, gastiert am Freitag, 23. Februar, in der Gesamtschule Bad Godesberg, Hindenburgallee 50. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr. Generalanzeiger, Mittwoch 14. Januar 2007

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