23.08.08: Sofia-Caterina und Santino
Die orthodoxe Taufe der Zwillinge von Santino und Nicoletta Mascolo waren ein ganz besonderes Ereignis für mich und Verena. Weniger wegen der Zeremonie selbst -Verena kannte sie schon von ihrem Griechischen Gottenkind Eleni- aber vielmehr wegen der Ehre nach so kurzer Niederlassung in einem fremden Land an eine Taufe eingeladen zu werden. Das Fest nach der Zeremonie war unglaublich gemütlich: Zuerst ging man einen Spritz trinken. Norditalienischer Spritz (Papa Santino ist Italiener) ist nicht Wein mit Mineralwasser oder Limonade sondern je zu einem Drittel Wasser, Sekt und Campari. Das Zeug hat gelockert und angeheitert und hungrig gemacht. Ein kurzer Spaziergang führte in einen Park mit Büchercafe, wo die Gesellschaft im Schatten zweier Pappeln mit Lasagne, Sarmale, Cartofi Natur und vielem mehr bis zum geht nicht mehr futtern konnte. Dazu spielten Geigen (Papa Santino ist Geigenbauer), es wurde geplaudert, wir haben sogar ein wenig politisiert und gelacht. Die Kinder spielten und man verbrachte so 3 bis 4 Stunden miteinander ohne Langeweile oder Unstimmigkeiten. Zur Zeremonie selbst: Der Poppe leiert in unsäglicher Geschwindigkeit seine Verse runter, die Namen der Kinder auf einem Zettelchen zwischen die Seiten seines Buches geklemmt. Die Suche danach gibt immer eine kurze Pause, er kann oder will sich die Kindernamen einfach nicht alle merken. Die Taufpaten leiern dann und wann auch irgendwas mit. Die Gäste knipsen das geschehen ab, ein Blitzgewitter, Handys gehen ab und an. Endlich bringt ein Jüngling einen Zuber Warmwasser, das geweiht wird. Dazu braucht es eine Schatulle mit irgendwelchen Wässerchen und Pipetten oder sonstwas, Taufkerzen, der Poppe leiert wieder und ein anderer singt ein Begleitgebet. Man stellt schnell fest, bei soviel alter Tradition ist ohne Fachhilfe der Sinn und Zweck einer jeden einzelen Aktion nicht erkennbar. Die Kinder werden endlich ausgezogen und im geweihten Wasser gebadet. Es folg ein Tanz im Kreis um die Taufkerzen und das Weihwasser begleitet von wahrscheinlich tiefgreifenden Worten, denn nun kriegen alle Anwesende feuchte Augen, selbst der bislang rumalbernde (vermutlich katholische!) Papa kann sich jetzt nicht halten. Die Mama wird auch noch gesegnet (der Papa würde wahrscheinlich auch, wäre er denn von gleicher Konfession) und endlich gratuliert man Mama und Papa und verlässt das ehrfurchteinflössende Gebäude um davor eine längere zeit Photos von allen erdenklichen Kombinationen aus Bekannten- und Verwandtenkreis zu schiessen.